Bilharziose
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Bilharziose / Schistosomose/ Schistosomiasis


Vgl. auch
Laientext Schwimmen und Baden
EXTRA-BERATUNGSTEXT (Laien-Info) zu Bilharziose
Schistosomiasis-Weltkarte: http://www.bueger.de/prima/maps/schisto.htm
Internet-Infos:
des CDC: http://www.cdc.gov/ncidod/diseases/submenus/sub_schistosomiasis.htm
und der WHO: http://www.who.int/health_topics/schistosomiasis/en

 Erreger
In Tropen verbreitete Parasiten (Plattwürmer) der Gattung Trematoda, die Venen (Leber-, Darm- oder Blasenvenen) bewohnen. Beide Geschlechter leben paarweise (Pärchenegel) und ernähren sich von Wirtsblut. Das Männchen bildet den Canalis gynaecophorus, eine Körperfalte über die Längsachse, in dem sich das schmalere fadenförmige Weibchen befindet. Die Weibchen produzieren je nach Art charakteristische (mit end- bzw. seitenständigem Stachel, bzw. bei japonicum und mekongi ohne Stachel) Eier und wandern zur Eiablage je nach Art in die Venen der Blasen- oder Darmwand. Die Eier reifen dort einige Tage bis die Mirazidien gebildet sind, durchdringen die Harnblase bzw. das Darmlumen (Blasen- bzw. die seltenere Darmbilharziose) und gelangen so nach außen.
Die Erkrankung wird nach dem deutschen Arzt Bilharz benannt, der 1851 die Erreger entdeckte, sie heißt heute aber nach den internationalen Normen Schistosomiasis.

 Verbreitung
(Details siehe die verschiedenen Schistosoma-Arten) Viele Länder in Afrika, Südamerika und Asien. Die Anzahl Infizierter wird von der WHO auf 200 Mio. geschätzt.
Die veröffentlichten Verbreitungsgebiete sind nicht sehr zuverlässig!

 Ansteckung
Nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Die Wurmeier gelangen mit dem Stuhl oder Harn in flache, offene Gewässer. Bei warmer Temperatur schlüpfen die Larven (Mirazidien) aus und befallen Süß-Wasserschnecken:
     Schistosoma mansoni: Biomphalaria
     Schistosoma japonicum: Oncomelania
     Schistosoma mekongi: Tricula aperta
     Schistosoma intercalatum: Bulinus
     Schistosoma haematobium: Bulinus
Nach ungeschlechtlicher Vermehrung und letztendlicher Reifung zu Zerkarien innerhalb einiger Wochen verlassen sie die Schnecken über die Atemhöhle und dringen innerhalb weniger Minuten beim Baden, Trinken oder anderem Kontakt mit dem verseuchten Wasser mit Hilfe von Proteasen in die unverletzte menschliche Haut ein. Von dort aus wandern sie über das Lymph- oder Blutsystem zur Lunge, weiter über den großen Kreislauf in die Pfortader, wo sie sich paaren und nach einigen Wochen geschlechtsreif werden. Danach wandern sie je nach Art in die Venengeflechte der Blase bzw. des Enddarms. Die Pärchenegel können jahrzehntelang im Endwirt parasitieren.

 Krankheitsbild
     Darm-Bilharziose: verursacht vor allem durch Schistosoma intercalatum, daneben auch durch Schistosoma mansoni und Schistosoma mekongi. In Südostasien gibt es noch eine Sonderform der Darm-Bilharziose, verursacht durch Schistosoma japonica.
     Blasen-Bilharziose: durch Schistosoma haematobium
     Penetrationsphase: Das Eindringen der Parasiten in die Haut kann reaktionslos verlaufen oder Juckreiz und Hautveränderungen (Papeln, rote Flecken) hervorrufen, die Zerkariendermatitis, die nach einigen Tagen abklingt.
     Akute (Wander-) Phase (Katayama-Fieber): Nach 2 - 10 Wochen folgen uncharakterische Symptome (Fieber, Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Oberbauchschmerzen, Schwellung von Leber, Milz und Lymphknoten). Verläuft bei den Einheimischen oft fast symptomlos und unerkannt. Kann unbehandelt (Schistosoma japonicum ruft besonders schwere Reaktionen hervor) tödlich verlaufen! Zu Beginn dieses Stadiums sind die Eier meist noch nicht im Harn/Stuhl nachweisbar (erst nach mindestens 5 Wochen)!
     Chronische Phase (frühestens 30-90 Tage nach der Infektion): Sie kann selbst viele Jahre (Würmer werden oft bis 10, selten bis 30 Jahre alt) andauern.
Je nach Organbefall manifestiert sich dieses Stadium in verschiedenen klinischen Formen (Symptomatik vor allem durch die Reaktion des Immunsystems (Granulome) auf die abgelegten bzw. das Gewebe durchdringenden Eier):
     Urogenital-Schistosomiasis: Beschwerden der Harnröhre, Hämaturie, Deformierung des Harnleiters bis hin zum Blasenkarzinom
     Intestinale Schistosomiasis: Leibschmerzen, Gewichtsverlust, Kolitis, dysenterische Beschwerden mit Schleimhaut- und Blutstuhl
     Leber-Bilharziose: Leber- und Milzvergrößerung, Ösophagusvarizen, Abmagerung und Aszites (Bauchwassersucht) Schwere Infektionen führen über eine Leberinsuffizienz zum Tod.
     Durch abgeschwemmte Eier können alle inneren Organe betroffen sein.

 Immunität
Teilimmunität wahrscheinlich, besonders nach längerem Bestehen

 Prophylaxe
     Bekämpfung der Zwischenwirtschnecken mit chemischen Mitteln (Molluskizide: Umweltproblem, da auch Fischgifte!) oder z.B. Entfernen der Ufervegetation von Gewässern
     Wasserhygiene
     Wasserkontakt und vor allem Baden in Schistosoma-Gebieten vermeiden
     Impf-Prophylaxe und passive Immunisierung nicht verfügbar

 Diagnose
     Mikroskopischer Wurmeier-Nachweis im Stuhls und Harnsediment
     Mirazidien-Schlüpfversuch
     Rektalbiopsien
     Antikörpernachweis (Wurmantigen)
     Blutbild u.a.

 Therapie
     spezifisch: Praziquantel (Biltricide (R)) als Einmaldosis ist das Mittel der Wahl, Oxamniquin, Metrifonat, Antimonpräparate i.m., Nitridazol oral.
     unspezifisch: Symptomatisch


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