STIKO 4
Ein Service der PRIMA-Apotheken.
© Apotheker Büger, Nürnberg
Daten aus:Reise-Impfberatungsprogramm Büger DAZ-Software
Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) Teil 4
Fortsetzung von: STIKO 3
Postexpositionelle Tollwut-Immunprophylaxe
Grad der Exposition |
Art der Exposition |
Immunprophylaxe * (Beipackzettel beachten) |
| durch ein tollwutverdächtiges oder tollwütiges Wild- oder Haustier ** |
durch einen Tollwutimpfstoffköder |
| I |
Berühren/Füttern von Tieren, Belecken der intakten Haut |
Berühren von Impfstoffködern bei intakter Haut |
Keine Impfung |
| II |
Knabbern an der unbedeckten Haut, oberflächliche, nicht blutende Kratzer durch ein Tier, Belecken der nicht intakten Haut |
Kontakt mit der Impfflüssigkeit eines beschädigten Impfstoffköders mit nicht intakter Haut |
Impfung |
| III |
Jegliche Bißverletzung oder Kratzwunden, Kontamination von Schleimhäuten mit Speichel (z.B. durch Lecken, Spritzer) |
Kontamination von Schleimhäuten und frischen Hautverletzungen mit der Impfflüssigkeit eines beschädigten Impfstoffköders |
Impfung und einmalig simultan mit der ersten Impfung passive Immunisierung mit Tollwut-Immunglobulin (20 IE/kg Körpergewicht) |
Tabelle 5: Postexpositionelle Tollwut-Immunprophylaxe * Die einzelnen Impfungen und die Gabe von Tollwut-Immunglobulin sind sorgfältig zu dokumentieren. ** Als tollwutverdächtig gilt auch eine Fledermaus, die sich anfassen
läßt oder ein sonstiges auffälliges oder aggressives Verhalten zeigt oder tot aufgefunden wurde |
Anmerkungen zur postexpositionellen Tollwut-Immunprophylaxe:
- Möglicherweise kontaminierte Körperstellen und alle Wunden sind unverzüglich und großzügig mit Seife oder Detergenzien zu reinigen, mit Wasser gründlich zu spülen und mit 70%igem Alkohol oder einem Jodpräparat zu
behandeln; dies gilt auch bei einer Kontamination mit Impfflüssigkeit eines Impfstoffköders.
- Bei Expositionsgrad III wird vom Tollwut-Immunglobulin soviel wie möglich in und um die Wunde instilliert und die verbleibende Menge intramuskulär verabreicht. Wunden sollten
möglichst nicht primär genäht werden.
- Bei erneuter Exposition einer Person, die bereits vorher mit Tollwut-Zellkulturimpfstoffen geimpft wurde, sind die Angaben des Herstellers zu beachten.
- Bei Impfanamnese mit unvollständiger Impfung oder Impfung mit in der EU nicht zugelassenen Impfstoffen wird entsprechend Tabelle 5 eine vollständige Immunprophylaxe durchgeführt.
- Bei gegebener Indikation ist die Immunprophylaxe unverzüglich durchzuführen; kein Abwarten bis zur Klärung des Infektionsverdachts beim Tier. Wird der Tollwutverdacht beim Tier durch
tierärztliche Untersuchung entkräftet, kann die Immunprophylaxe abgebrochen oder als präexpositionelle Impfung weitergeführt werden.
- Zu beachten ist die Überprüfung der Tetanus-Impfdokumentation, bei Notwendigkeit gleichzeitige Tetanus-Immunprophylaxe (siehe -> Tabelle 4).
Impfung bei HIV-Infektion
| Impfstoff |
HIV-Infektion |
| asymptomatisch |
symptomatisch |
| Inaktivierte Impfstoffe/Toxoide |
Empfohlen |
Empfohlen |
| Masern-Impfstoff |
Empfohlen |
Nicht empfohlen * |
| Mumps-, Röteln- u. a. Lebendimpfstoffe |
Empfohlen |
Nicht empfohlen |
| Varizellen |
Möglich ** |
Kontraindiziert |
| (BCG) |
Kontraindiziert |
Kontraindiziert |
Tabelle 6: Impfung bei HIV-Infektion
* Masern können bei HIV-Infizierten einen besonders schweren Verlauf nehmen. Bei erhöhter Masern-Gefährdung ist deshalb eine Masern-Impfung indiziert. Eine gleichzeitig
durchgeführte IgG-Substitution kann den Impferfolg in Frage stellen. Eine Kontrolle des Impferfolgs ist in diesen Fällen angeraten. Im Falle einer akuten Masern-Exposition ist bei nichtimmunen Personen eine IgG-Gabe zu erwägen.
** Die Varizellen-Schutzimpfung kann bei Varizellen-empfänglichen HIV-infizierten Personen mit noch funktionierender zellulärer Abwehr (altersentsprechende CD4+-Zellzahl mit einem
Anteil der CD4+-Zellen an den Gesamtlymphozyten von 25%) erwogen werden. | |
« zurück zur Übersicht